Weinbau in Groß-Umstadt: vom Wingert bis zur Heckenwirtschaft
In Groß-Umstadt gehört der Wein seit Jahrhunderten zum Stadtbild dazu. An den Südhängen rund um die Kernstadt und in den Stadtteilen reihen sich Wingertszeilen, Trockenmauern und kleine Schutzhütten aneinander — und mit ihnen eine Tradition, die bis in klösterliche Zeiten zurückreicht. Wer heute durch die Lagen spaziert, läuft durch eine der ältesten Kulturlandschaften der Region.
Eine Landschaft mit Geschichte
Die Groß-Umstädter Weinberge liegen am Übergang von der Untermainebene zum vorderen Odenwald. Das Zusammentreffen von Lössböden, milder Witterung und den oft steilen, nach Süden und Westen ausgerichteten Hängen bildet die Grundlage für den Anbau. In den Lagen rund um die Stadt werden überwiegend weiße Sorten angebaut, ergänzt durch rote. Beim Gang durch die Wingertszeilen fallen die vielen Trockenmauern auf, die über Generationen hinweg von Winzern und Helfern gesetzt wurden — sie sind ein Stück gelebtes Handwerk.
Arbeit im Wingert über das Jahr
Ein Weinberg ruht nie ganz. Im Winter werden Reben geschnitten und die Drähte kontrolliert, im Frühling treiben die Triebe aus, im Sommer werden Laubarbeit und Ertragsregulierung in Handarbeit erledigt. Im Herbst konzentriert sich alles auf die Lese — eine Zeit, in der viele Helferinnen und Helfer aus den Stadtteilen zusammenkommen. Wer einmal mitgeholfen hat, weiß, wie körperlich nah diese Arbeit am Boden bleibt.
Die Heckenwirtschaft als Begegnungsort
Eine Besonderheit der Region ist die Heckenwirtschaft. Für wenige Wochen im Jahr schenken Winzerinnen und Winzer ihren eigenen Wein zusammen mit einfachen, regionalen Speisen aus — in Hof, Scheune oder Garten. Die Heckenwirtschaft ist keine touristische Inszenierung, sondern eine alte Form der Direktvermarktung, die ohne großen Aufwand funktioniert: ein paar Bänke, ein Holzfass, eine Karte mit den aktuellen Lagen. Wer Groß-Umstadt im Spätsommer besucht, sollte einen Blick auf die ausgehängten Schilder werfen — geöffnet ist, was Schirm und Tafel vor der Tür hat.
Mitmachen statt nur zuschauen
Wer mehr über die Lagen, Sorten und Termine erfahren möchte, ist beim örtlichen Weinbauverein oder bei einer der Winzerfamilien richtig. Viele Betriebe bieten in der Lesezeit Aktionen für Helferinnen und Helfer an, bei denen man die Arbeit im Wingert kennenlernen kann — und am Ende des Tages gemeinsam eine Brotzeit teilt.
Foto: Sven Wilhelm auf Unsplash (https://unsplash.com/@svenwilhelm)
Quellen:
- Foto: https://unsplash.com/photos/green-trees-during-daytime-2cRXSWyMHA8
- Tourist-Information Groß-Umstadt, Informationen zu Lagen und Heckenwirtschaften (https://www.gross-umstadt.de)